Zu Hause in Europa
| Für viele Musiker des 18. Jahrhunderts war es selbstverständlich, ins Ausland zu reisen, die Musik der dortigen Kollegen kennenzu- lernen, ja sogar die verschiedenen Stile für den eigenen Gebruch zu lernen oder dort selbst Karriere zu machen. Auch Einflüsse der jeweiligen Volksmusiken sind mehr oder weniger deutlich in Kom- positionen eingeflossen. Fast alle Informationen aus den Reiseberichten des Engländers Charles Burney stammen aus Gesprächen mit Künstlern und aus dem Erleben der Musik in Salon, Konzerthaus, Kirche und Theater. Ihm verdanken wir ein authentisches und lebendiges Bild des Musiklebens der Zeit in Europa. Auch im 19. Jahrhundert gab es regen Austausch der Künstler über politische Grenzen hinweg. Der handwerkliche Aspekt des voneinander-Lernens trat allerdings zunehmend in den Hinter- grund. Persönliche und Nationalstile wurden entwickelt. Frédéric Chopin, dessen Mutter Polin und dessen Vater Franzose war, der in Polen aufwuchs und später als Pianist und Komponist in Frankreich lebte, hat viele Einflüsse zu einer neuen Einheit verschmolzen und komponierte mit un- verwechselbarer "Handschrift". Das Erbe mitteleuropäischer Musik - samt ihrer Theorie -, die Spuren von Bach und Mozart sind ebenso präsent wie polnische Melodien und Rhythmen, französischer Eleganz, neue Formen und freie Fantasie. Im 20. Jahrhundert scheint Internationalität normal zu werden, manchmal leicht zu haben, manchmal icht freiwillig. Künstler überschreiten politische Grenzen, um zu lernen, um ihr Tätig- keitsfeld zu vergrößern, um mit Künstlern in anderen Ländern zusammenzuarbeiten; aber Künstler werden auch ins Exil ge- trieben. Bohuslav Martinů, 1890 in Mähren geboren, ging zunächst den freiwilligen Weg, lernte, komponierte und lehrte in der Tschech- oslowakei, in Frankreich, Italien, den USA und der Schweiz. In seiner Musik verbinden sich mitteleuropäische Tradition, Klänge und Rhythmen der mährischen Volksmusik und Jazz. Als 1948 nach dem kommunistischen Putsch klar wurde, dass sein Heimatland sich hinter dem "Eisernen Vorhang" abschottete, wurde Martinů vom Kultur-Wanderer zum Auswanderer. Gleichwohl wurden seine Werke in der ČSSR häufig gespielt. | ![]() Charles Burney ProgrammGeorg Friedrich HändelSonate h-moll für Flöte und Klavier Georg Philipp Telemann Fantasie D-Dur für Flöte solo Johann Christian Bach Sonate A-Dur, op. 16, 4 für Klavier und Flöte Frédéric Chopin Polonaise, c-moll, op. 40,2 Nocturne, G-Dur, op.37,2 für Klavier solo Bohuslav Matinů Sonate für Flöte und Klavier Literatur, Berichte und Briefe von: Charles Burney, Mascha Kaleko George Sand und vielen anderen |
